Ina Elbracht
Autorin
Montag, 12. Mai 2025
Necronomicon
Freitag, 8. November 2024
Kryptologicae
Wer sich auf den Weg macht, unaussprechliche Geheimnisse zu ergründen, sollte seinen Verstand in Neopren hüllen, denn es geht abwärts, bis das Wasser am Hals steht und Feuchtigkeit aus der Wahrheit geatmet werden muss.
Vorsicht ist geboten. Unterwegs könnte man sich selbst abhandenkommen, von bösen Drillingen in die Irre geführt werden oder der wirkmächtigen Ziegenmilch Shub-Nigguraths erliegen.
Vom Stein von Rosetta zu Kryptologicae
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Der Stein von Rosetta im British Museum |
„Der Stein von Rosetta“ – ich weiß nicht mehr genau, wem aus
dem Team Feuerernte die Idee kam, ihn zum Thema des nächsten Novellenbandes zu
machen, doch ich erinnere mich gut, dass sie sofort auf fruchtbaren Boden fiel.
Der in drei Schriften (ägyptische Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch) gemeißelte
Stein wurde 1799 von einem Soldat der napoleonischen Truppen auf dem
Ägypten-Feldzug zufällig im Schutt entdeckt und war eine wissenschaftliche
Sensation, da er maßgeblich dazu beitrug, ägyptische Hieroglyphen entschlüsseln
zu können. Ein tolles Ding also. Und eines der wenigen weltberühmten Artefakte,
das in der Realität tatsächlich größer ist, als man es sich vorstellt. Oder zumindest:
als ich es mir vorgestellt hatte. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, weil
der fast 800 Kilo schwere Stein im British Museum heftig umlagert wird und mit
ihm vermutlich mehr Selfies gemacht werden als mit allen Stars bei Madame Tussauds
zusammen. Und selbst im größten Trubel ist er ehrfurchtsgebietend, wenn man
sich sein Alter vergegenwärtigt und überhaupt das, was das geschriebene Wort zu
übermitteln vermag. Etwas kitschig ausgedrückt. Kein Wunder also, dass wir ihn
als Autorenteam gern zur Inspiration heranzogen, quasi als Grundstein (haha)
unserer Erzählungen. Er hat jedenfalls – mal mehr und mal weniger deutlich – den
Weg in unsere Geschichten gefunden.
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Shop im British Museum - und das ist noch längst nicht alles, was es da zum Rosetta Stone zu kaufen gibt |
Souvenirs, Souvenirs. Der Rosetta-Stein auf Küchenschürzen, Tassen,
T-Shirts, Trinkflaschen, Untersetzern, Kugelschreibern, Radiergummis usw. usw.,
die Regale zum Bersten voll. Aber eben immer nur das eine Motiv. Wäre da nicht
vielleicht noch ein kleines Plätzchen frei für ein paar Ausgaben von
Kryptologicae? Ich finde, da würden sie hervorragend hinpassen.
Echte Schätze, erste Sätze
1. "Der geheime Katalog" von Tobias Reckermann
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Fiction begins with Tobias Reckermann |
2. "Collektivsingularis" von Felix Woitkowski
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Wenn die Welt absäuft: Rette sich, wer kann! |
4. "Die sieben Mysterien des Voynich-Manuskripts endlich gelöst: wer es schrieb und was es bedeutet, kein Scheiß! Der letzte Plot-Twist wird dich umhauen!" von mir
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Frauen bei der Arbeit im geheimnisvollen Voynich-Manuskript. Anleitung: Bilder angucken, Text bitte laut vorlesen! |
Donnerstag, 10. Oktober 2024
Hellbound!
Und mitten in dieser weltschmerzgeräucherten und abgehängten Stimmung erreichte mich vor ein paar Tagen mit „Hellbound“ die letzte (ja, genau, die LETZTE Anthologie des Whitetrain/Nighttrain). Für mich – und ganz sicher geht es nicht nur mir so! – geht damit eine Ära zu Ende. Seit 2015 bin ich Passagierin des Trains gewesen und habe immer gern dort veröffentlicht. Der damals zufällig entstandene Kontakt zu Lokführer, Maschinist, Partisan und Mastermind Tobias Reckermann ist einer der besten und mir wertvollsten in meinem Autorinnenleben – und wird es hoffentlich auch außerhalb unserer gemeinsamen Zugfahrten bleiben. Ich denke, da können wir Whitetrainies uns jenseits des herbstlichen Schnäuzens mal an die eigenen Nasen fassen und fragen, ob wir nicht doch alles, was Tobias da vierzehn Jahre lang initiiert, bewegt und am Laufen gehalten hat, als allzu selbstverständlich genommen haben.
Nun aber zum höllischen „Hellbound“, einem, wie ich finde, würdigen Abschlusstitel:
Bei Jayaprakash Satyamurthy geht es im „Eden-Express“ (übersetzt von C.V. Eschenfelder) im Zug von Bangalore nach Madras auf einen fiebrig-hypnotischen Trip, bei dem die Ebenen zwischen Vergangenheit, Gegenwart, dem Greifbaren und dem Eventuellen verschwimmen.
Martin Ruf, ebenfalls mit einer Übersetzung in dieser Publikation vertreten, steuert zusätzlich eine eigene Geschichte bei: „Diasmo“. Wer das dem Titel innewohnende Anagramm zu entschlüsseln vermag, befindet sich auf der richtigen Spur, um was es sich hier dreht. Dem kunstvoll gestalteten Aufbau, der geschichtlichen Einbettung und dem genauen Blick auf Sprache und Figuren merkt man die langjährige Hingabe Rufs an die Literatur und das Geschichtenerzählen an, Beruf und Berufung. Eine wunderschön gewebte Geschichte mit Zwischentönen.
Christian Veit Eschenfelder: „Biologische Harpyien“ – Ach komm, beim Titel hatte er mich schon! Und die Begeisterung hielt an im Sog von Eschenfelders oft etwas geheimnisumwehter und ganz eigener Erzählweise. Eine Geschichte über einen Wald, Invasoren und … biologische Harpyien.
Wer noch nicht in Erik R. Andaras „Hotel Kummer“ eingecheckt hat, sollte das dringend tun! In den Erzählteppich dieses Autors einzusinken ist immer eine Freude. Doch Obacht: Der Hotelteppich und das Interieur können mitunter nicht nur staubig, sondern auch mysteriös, dubios und auf eine Weise unheimlich sein, wie wenn einen eine kalte Hand unerwartet von hinten berührt. Wenn ihr versteht, was ich meine.
Die Idee zu meinem eigenen Beitrag „Rosemary’s Scabies“ kam mir auf einer Reise in Singapur beim Besuch des Hell’s Museum. Da hatte es mir so gut gefallen, dass ich sogar mal einen eigenen kleinen Blog-Beitrag dazu geschrieben habe (Hier nachlesen). In meiner Geschichte geht es neben dem kuriosen Museum um falsche/implantierte Erinnerungen und die New Yorker Subway.
Felix Woitkowski legt mit „J“ eine herrlich verrückte Mischung hin. Er selbst sagt dazu: „Mein Beitrag ist eine Hommage an eine Geschichte, die mich wohl wie keine andere in meiner Kindheit geprägt hat: Michael Endes Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und zwar vor allem in der Inszenierung der Augsburger Puppenkiste. Für meine Geschichte habe ich mich vor allem am Figurenrepertoire von Ende inspirieren lassen, es einmal kräftig durch die Mangel der Weird Fiction gezogen und dann in einer Welt stranden lassen, in der eine Insel aus schwimmenden Lokomotiven nichts als die Hölle ist.“
Louis Marvicks Story „Teufelsmusik“ (übersetzt von M. Ruf) hat leider ein Thema, das bei mir so gar nicht auf dankbaren Grund fällt, nämlich Orgelmusik. Mir ist natürlich bewusst, dass weder Autor noch Übersetzer etwas dafür können, dass diese Registerpfeifenbiester nicht zu meinen Lieblingsinstrumenten zählen, um es vorsichtig auszudrücken. Aber das ist meine persönliche Malaise und sollte euch nicht davon abhalten, die Geschichte mit Gewinn und Genuss zu lesen. Denn es stimmt sonst wirklich alles damit. Sogar ein Zug kommt darin vor. Und eine Trillerpfeife.
„Unter dem Eis die Finsternis“ von Silke Brandt ist für mich eine richtige Entdeckung! Stimmungsvoll geschrieben und mit Zunder und Dampf im Kessel, sowohl in einem Eisbrecher auf See als auch einer Bahn zu Lande. Ob sich die beiden Stahlgefährte treffen werden? Das müsst ihr selbst herausfinden! Die Autorin beschreibt ihre Geschichte übrigens so: „Mein Protagonist, Gentleman und Malzwhiskyliebhaber Arthur Rotermann, wird von seinem Dampfeisbrecher auf die Bahn versetzt. Dort soll der Eisvermesser die Spionin Ava Järve unterstützen, denn der ausländische Zug bringt möglicherweise eine furchtbare Waffe mit ins Land. Um eine diplomatische Krise zu vermeiden, müssen die beiden verdeckt arbeiten. Rotermanns Probleme beginnen mit einer geisterhaften Frauenerscheinung und einem augenscheinlich verrückten Heizer, der die Götter der Tiefsee anbetet, doch auch die Zeit selbst verhält sich nicht immer wie zu erwarten ...“
Illustriert wurde das Heft, das darf last not least natürlich nicht unerwähnt bleiben, vom wunderbaren David Staege.
Hellbound bestellen? HIER!
Whitetrain, Nighttrain - Mighttrain? Niemals geht man so ganz, wie Trude Herr treffenderweise sang. Also, lieber Tobias, falls du das liest: Sag niemals nie, ok? Ich werde die Hoffnung jedenfalls nicht aufgeben und immer mit Schreibgerät und kleinem Reisegepäck auf dem Bahnsteig nach dem Train Ausschau halten. Und wenn er kommt, steige ich sofort ein und werde voll Freude zu neuen Abenteuern reisen!
Montag, 30. September 2024
Meine Reise mit Hermit
Raus aus der Komfortzone, rein in den Dojo
Freitag, 5. April 2024
Zwielicht 20
Mein wunderschöner Supermarkt
Nachdem ich in den letzten zwei – oh je, eher drei! – Jahren keinen Roman geschrieben habe und nur in kürzeren Formaten unterwegs war, ist es ja fast schon inflationär, dass ich schon wieder im neuen Zwielicht-Magazin vertreten bin. Aber da ich netterweise von Michael Schmidt angefragt wurde und ich Lust hatte, eine Idee zur Geschichte werden zu lassen, traf es sich gut. „Mein wunderschöner Supermarkt“ heißt der Text und handelt – da kommt ihr jetzt nie drauf! – von einem Supermarkt. Der allerdings nicht nur wunderschön ist und sich auf einer namenlosen kanarischen, fiktiven Avocado-Insel befindet. Wie auf den Schwesterinseln Teneriffa und La Palma gab es anscheinend auch dort ureinwohnende Guanchen, die geheimnisvolle Petroglyphen hinterließen und nach ihrem Tod mumifiziert und in Höhlen gelagert wurden, auf dass ihre Körper nie die Erde berührten. Wurde der Supermarkt also auf einer uralten Bestattungsstätte gebaut und giert nach Rache? Leider nein. Aber einen Text mit solchem Inhalt könnte ich ja dann einfach fürs nächste Zwielicht schreiben.
Die Geschichte
beschäftigt sich mit Kunst, wie man aus Scheiße Gold macht (merda d’artista,
Piero Manzoni), Harndrang (Fountain, Marcel Duchamp) und noch ein paar anderen Sachen,
die ich natürlich nicht jetzt schon alle verraten kann. Denn vielleicht habt
ihr ja Lust, das neue Zwielicht zu lesen. Weil es sich um ein Jubiläum handelt,
gibt es das Buch diesmal zusätzlich als Hardcover und ansonsten, wie gewohnt,
als Taschenbuch oder eBook.
Zwielicht bestellen? Hier!
Viel Spaß beim Einkaufen und geht nicht verloren im Supermarkt, wie The Clash es 1979 besungen.
Freitag, 8. März 2024
The Shape of ...
... MURDER!
Freitag, 3. November 2023
Ach komm, was soll’s …
… heute schreibe ich mal einen gefühlsduseligen Text
Nun ist dieses Internet für mich ja eigentlich kein Ort,
an dem ich bevorzugt lamentieren und peinliche intime Bekenntnisse hinterlassen
möchte. Wir sind alle mal scheißschrecklich krank, fühlen uns leb- und hoffnungslos
und wissen nicht, wie wir’s überstehen sollen. Vermute ich. Also, dass es uns allen
schon mal so ergangen ist. Falls nicht, liebe Leserin, lieber Leser, lächelnder
Buddha oder freundlicher Ganesha, lass es mich wissen, dann möchte ich wenigstens
mal kurz an dir rubbeln, damit etwas Glück auf mich abfärbt. Ich könnte es
brauchen.
Vor etwas mehr als zwei Jahren hat es mich gesundheitlich
und mental so ziemlich zerlegt. Und in den schwärzesten Stunden habe ich sehr
gebangt, ob ich wohl je wieder etwas schreiben kann. Wenn alles in Fetzen hängt
und Trauer trägt, ist das Nicht-Schreiben-Können ja eigentlich eher ein
Kollateralschaden, doch je länger so ein Zustand währt, um so schwerer wird das
Herz bei der Vorstellung: Zackbumm, Ende, das könnte es gewesen sein. Was du
geschrieben hast, kannst du als Staubfänger in dein persönliches Mausoleum
stellen, die letzten bereits einigermaßen fertigen Projekte abschließen und danach
den eigenen Nachlass kuratieren. So fühlte es sich an.
Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich in dieser ganzen
elenden Zeit über die Zusammenarbeit mit meiner Autorengruppe „Team Feuerernte“
war. Es hat mich tatsächlich als Autorin am Leben gehalten. Selbst als wenig
ging, ging hier immer noch zumindest etwas. Eigene Texte überarbeiten, sich dann
doch an Neues wagen, sich über die Geschichten der anderen austauschen, gucken,
ob das löchrige Hirn nicht doch noch genug taugt, sich an Korrekturen und
Einschätzungen zu wagen. Der Kontakt, die Wertschätzung und Unterstützung waren
für mich unendlich wertvoll.
Jetzt sind sie also erschienen, die Metempsychosen, die zu dieser Zeit entstanden sind. Metempsychosen – Seelenwanderungen. Und außerdem für mich: Autorenseelenwahlverwandtschaften!
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Der Herbst kann ja zuweilen eine ganz schön melancholische Angelegenheit sein. Ich weiß, ich weiß: Es gibt sie, diese munteren Menschen, die...
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V erborgene Bibliotheken mit versteckten Büchern, Steintafeln und Manuskripten, gefährliche Notizhefte und eine Geschichte, die sich gegen i...
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Mein wunderschöner Supermarkt Cover von Björn Ian Craig Nachdem ich in den letzten zwei – oh je, eher drei! – Jahren keinen Roman gesc...
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... und mich. Mit dem Ensemble des Schlosstheater Moers. Und mir. Andreas Giesbert war da und hat für den Lovecrafter darüber geschrieben....