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Freitag, 5. April 2024

Zwielicht 20

 Mein wunderschöner Supermarkt

Cover von Björn Ian Craig

 Nachdem ich in den letzten zwei – oh je, eher drei! – Jahren keinen Roman geschrieben habe und nur in kürzeren Formaten unterwegs war, ist es ja fast schon inflationär, dass ich schon wieder im neuen Zwielicht-Magazin vertreten bin. Aber da ich netterweise von Michael Schmidt angefragt wurde und ich Lust hatte, eine Idee zur Geschichte werden zu lassen, traf es sich gut. „Mein wunderschöner Supermarkt“ heißt der Text und handelt – da kommt ihr jetzt nie drauf! – von einem Supermarkt. Der allerdings nicht nur wunderschön ist und sich auf einer namenlosen kanarischen, fiktiven Avocado-Insel befindet. Wie auf den Schwesterinseln Teneriffa und La Palma gab es anscheinend auch dort ureinwohnende Guanchen, die geheimnisvolle Petroglyphen hinterließen und nach ihrem Tod mumifiziert und in Höhlen gelagert wurden, auf dass ihre Körper nie die Erde berührten. Wurde der Supermarkt also auf einer uralten Bestattungsstätte gebaut und giert nach Rache? Leider nein. Aber einen Text mit solchem Inhalt könnte ich ja dann einfach fürs nächste Zwielicht schreiben.

Die Geschichte beschäftigt sich mit Kunst, wie man aus Scheiße Gold macht (merda d’artista, Piero Manzoni), Harndrang (Fountain, Marcel Duchamp) und noch ein paar anderen Sachen, die ich natürlich nicht jetzt schon alle verraten kann. Denn vielleicht habt ihr ja Lust, das neue Zwielicht zu lesen. Weil es sich um ein Jubiläum handelt, gibt es das Buch diesmal zusätzlich als Hardcover und ansonsten, wie gewohnt, als Taschenbuch oder eBook.

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Viel Spaß beim Einkaufen und geht nicht verloren im Supermarkt, wie The Clash es 1979 besungen.





Mittwoch, 18. Oktober 2023

Gebäude und Flugtiere

 

Monsieur Ortolan im Zwielicht

 

Es gibt Gebäude, die verwirren. In denen man den Orientierungssinn verliert oder sich auf einmal fremd in der Welt fühlt. Nackenhaare, die sich aufstellen, merkwürdige innerseismografische Gefühle, die uns anzeigen, dass da etwas nicht stimmt. Ob sich immer dann Unbehagen einstellt, wenn Räume sich unserer gewohnten Sichtweise entziehen, wenn wir ihre Form von außen und innen nicht direkt übereinander gelegt bekommen? In meiner soeben im Zwielicht 19 erschienenen Geschichte ist Monsieur Ortolan in einem unübersichtlichen Raum untergebracht, der nur durch Oberlichter etwas Tageslicht erhält. Ich empfinde Räume, in die ausschließlich von oben her Licht fällt, oft als unangenehm. Dabei ist es aber eigentlich immer so, dass ich mich erst in einem Raum nicht so recht wohl fühle und dann feststelle, aha, ach so, ja klar, Oberlichter, deshalb also. So hat sich vermutlich mein Unterbewusstsein eingeschaltet, als ich das Verlies für meinen Protagonisten Monsieur Ortolan entworfen habe, denn es ist mir gerade erst beim Blättern im Zwielicht-Magazin aufgefallen.

 „Die Art seiner Entführung wirkte einerseits professionell und nicht wie die Tat zusammengewürfelter Gelegenheitsbanditen, auf der anderen Seite erschien ihm die Art seiner Unterbringung allzu kurios und gab ständig neue Rätsel auf, ohne die alten zu beantworten. Er befand sich nämlich in einem ungewöhnlich hohen Raum – er hätte für so einen Anlass eher einen Keller erwartet – in den durch schmale Schlitze an der Decke Tageslicht einfiel.“

Ortolane (auch Gartenammern genannt) sind übrigens Zugvögel, denen zum Verhängnis wird, dass sie sich desorientiert in künstlicher Dunkelheit quasi selbst mästen. Doch damit soll es genug der Andeutungen sein, vielleicht hat ja der/die eine oder andere noch Lust zum Lesen. Ich freue mich jedenfalls sehr, mal wieder im Zwielicht vertreten zu sein.

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Erinnert sich noch wer an die Suchbilder für Kinder in der „Brigitte“? Auf denen der Zeichner eine kleine Maus versteckte, die man entdecken sollte? In diesem Sinne: Auf dem Cover hat Illustrator Björn Ian Craig eine kleine Fledermaus versteckt. Kannst du sie finden?